Schon wieder im Rettungsmodus

Weltweit ist die Anzahl der neu rapportierten Fälle bei ca. 80‘000 Fällen pro Tag stabil geblieben. Auch die Anzahl der neu rapportieren Todesfälle ist in den letzten Tagen / Wochen bei ca. 6‘000 stabil geblieben (Quelle: New York Times.)

 

Die Verflachung der Kurve ist die Folge der durchgeführten Einschränkungsmassnahmen. Die Verflachung der Kurve bringt erste Lockerungen. Die Verflachung der Kurve wurde nur durch grossen wirtschaftlichen Schaden erreicht. Die Verflachung der Kurve stimmt Anleger wieder recht optimistisch.

 

Ich möchte nur ungern den Spielverderber spielen und allzu pessimistisch erscheinen. Aber, es erscheint mir doch wichtig, auf eine mögliche Gefahr weiterer Ansteckungswellen aufmerksam zu machen.

 

Anhand der Entwicklung der Spanischen Grippe in Grossbritannien kann man feststellen, dass diese Grippe während eines gesamten Jahres in drei Wellen erfolgte. Die Gefahr einer weiteren Welle besteht wohl auch für das Coronavirus. 

 

Das erwarten Anleger aktuell jedoch nicht. Ihr Fokus liegt auf der Verflachung der Kurve, der Lockerung der Eindämmungsmassnahmen, einem baldigen Medikament und der baldigen Wirtschaftserholung.

 

Im Vergleich mit der Finanzkrise wird der wirtschaftliche Schaden durch die Coronakrise deutlich grösser ausfallen. Der Schaden ist auch global breiter verteilt. 

 

Somit erstaunt es nicht, dass Regierungen und Notenbanken weltweit «schon wieder» im Rettungsmodus sind. Diese Rettungsmassnahmen haben einen Absturz wohl verhindert. Weltweit haben Notenbanken die Leitzinsen reduziert und die Anleihenskäufe wieder gestartet oder erhöht. So konnte dem Finanzsystem Liquidität zur Verfügung gestellt und ein Kollaps verhindert werden.

 

Wir kennen eigentlich diese Vorgehensweise schon recht gut. Nach dem Platzen der Technologie-Blase wurden die Leitzinsen massiv gesenkt. Auch Nach der Finanzkrise wurden die Leitzinsen wiederum massiv gesenkt und Anleihenskäufe (QE-Programme) getätigt. Zwischen 2016 und 2019 folgte dann eine Phase, in der einige Länder eine Normalisierung versuchten. Diese scheiterte aber bereits vor dem Ausbruch der Coronakrise. Das heisst, bereits vor dieser Krise musste der «Globale Wirtschaftspatient» wieder in die Notaufnahme zurückgebracht werden. Darüber hinaus entstand nun durch die aktuelle Krise noch ein Notfall in der Notaufnahme!

 

Die Zeit nach der Finanzkrise hat uns verdeutlicht, dass ultratiefe Zinsen und Anleihenskäufe ein kräftiger Treiber für das Ansteigen der Vermögenspreise sein können. Dabei werden herkömmliche Beurteilungskriterien für die Analyse der Finanzmärkte ausser Kraft gesetzt oder nicht beachtet. Nun sind wir wieder mit so einer Situation konfrontiert. Dies kann ein weiteres Ansteigen der Märkte bedeuten. Aktienbewertungen würden steigen und sich von den fundamentalen Faktoren (wie Umsatz, Gewinne, etc.) entkoppeln.

 

Der renommierte Historiker Niall Ferguson schrieb aber neulich: Im Albtraum-Szenario des IMF mit einer mehrjährigen Depression wird ein Punkt kommen, an dem die Diskrepanz zwischen den ökonomischen Realitäten und den Wertpapierpreisen nicht länger aufrechtzuerhalten sein wird. (Quelle: NZZ)

 

Aktuell sehen Anleger vor allem den Silberstreifen am Horizont. Wir sehen aber auch folgende Risiken: Keine V-förmige (also rasche) Wirtschaftserholung, sondern U-, L-, oder W-förmig, starker Einbruch der Gewinne, zweite Welle mit Infektionen, Lockerung langsamer als erwartet, «back to normal» geht nicht so schnell wie man meint oder ein Medikament oder Impfstoff wird doch nicht so schnell gefunden.

 

Die Stimmung der Anleger kann sich also schnell wieder eintrüben. Risikoanlagen würden wieder abgestossen. Deshalb bleiben wir aktuell noch vorsichtig positioniert.

 

(Autor: Sergio Hartweger)

 

HINWEIS: Obiger Blogeintrag stellt keine allgemeine Anlageempfehlung dar. Ein Anlageentscheid sollte immer unter sorgfältiger Berücksichtigung der eigenen Risikoneigung und -fähigkeit gefällt werden. Wir helfen Ihnen gerne dabei. 

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